Von Santiago de Chile ging es für uns mit dem Flugzeug nach Punta Arenas. Der Ort ist sozusagen das Eingangstor zur chilenischen Seite Patagoniens. Wir stiegen am Flughafen aber direkt in den Bus, der uns nach Puerto Natales brachte. Ein noch kleinerer Ort und der tatsächliche Ausgangspunkt für Abenteuertouren im Nationalpark Torres del Paine. Die namensgebende Bergkette sind drei nadelartigen Granitfelsen die majestätisch in den Himmel ragen. Anders als die meisten denken bedeutet „Paine“ nicht Schmerz sondern in der Sprache der Tehuelche-Indianer „himmelblau“, also bedeutet Torres del Paine, Türme des blauen Himmels.
Da wir zu Herbstbeginn (bei uns Frühlingsbeginn) in Patagonien waren, somit auch der Regenzeit, waren es eher die Türme des grauen Himmels. Aber keinesfalls minder beeindruckend, sofern sie sich zwischen den Wolken blicken liesen.

Zwei der bekanntesten mehrtägigen Wanderungen sind der W-Track und der O-Track, die mehrere Übernachtungen im Nationalpark beinhalten. An Übernachtungen in den wenigen Hotels im Nationalpark ist dabei kaum zu denken, denn diese sind so überteuert und werden fast ausschließlich von Luxushotels angeboten. Als Alternative gibt es jedoch einige Zeltplätze, hier müssen die Übernachtungen jedoch vorab angemeldet werden.
Aufgrund des unvorhersehbaren Wetters, beschlossen wir uns ein Auto auszuleihen und zwei Nächte im Auto, im Nationalpark zu schlafen und nur kurze Wanderungen zu machen. Es gibt ein paar wenige Campingplätze bzw. Parkplätze auf denen man kostenlos über Nacht stehen darf. Diese sind jedoch ein bisschen entfernt von den jeweiligen Wanderrouten. Eine Karte mit alles Campingplätzen oder kostenlose Übernachtungsplätze erhält man bei der Anmeldung im Nationalparkbüro.
Wir leihten uns einen Geländewagen aus, der auf den unwegsamen Straßen gut zu fahren war, ausserdem war dieser groß genug, dass wir unsere Isomatten und Schlafsäcke ausbreiten konnten.
Wie wichtig ein intaktes Auto ist, sollten wir nach kurzer Strecke auch erfahren. Ein paar Kilometer nach der Parkeinfahrt, stand ein Wagen am Straßenrand und ein älterer Herr werkelte im Regen irgendwas am Vorderreifen. Wir hielten an und boten unsere Hilfe an. Die erste Hürde war jedoch die Sprache. Er sprach kein Deutsch und wir definitv kein KFZ-Fachspanisch. Schließlich fanden wir heraus, dass er einen Platten hatte aber kein Werzeug um den Reifen zu wechseln. Jan und der Mann versuchten es mit unserem Werkzeug aber auch das funkitonierte nicht. Im Schlamm bekamen sie den Wagen nicht auf den Wagenheber. Um Hilfe telefonieren war ebenfalls aussichtlos – kein Netz weit und breit. Wir boten an (wohlgemerkt es war eine Mischung aus Spanisch, Englisch, Händen und Füßen), seine Frau zurück zur Rangerstation zu fahren, damit sie dort Hilfe holen konnte, während ihr Mann beim Wagen wartete. Just in dem Moment als wir losfahren wollten, kam ein Geländewagen der Parkaufsicht vorbei. Wir ließen die Frau wieder aussteigen und verabschiedeten uns. Sie hatten ja nun bessere Hilfe zur Stelle.

In den drei Tagen im Nationalpark machten wir zwei voneinander unabhängige Wanderungen. Die erste entlang des Luga Azul mit permantenten Blick auf die Türme.
Weit kamen wir nicht. Also zeitlich schon, wir waren knapp 3 Stunden unterwegs, bis wir umkehrten um nicht in den nächsten Regenguss zu kommen. Kilometer legten wir aber gefühlsmäßig keine zurück. Nach nahezu jeder Biegung mussten wir stehen bleiben und einfach nur den Blick auf die Landschaft genießen. Der Weg führte sehr lange direkt am See entlang, durch meterhohes Gras. Links von uns der dunkelblaue See, rechts die senfgelbe patagonische Steppe und vor uns das imposante Bergmassiv. Irgendwann mündete der Weg in ein Wäldchen hoch auf ein Plateau. Wir gingen bis zur Anhöhung und bevor der Weg wieder hinabführte. In einem Wind geschützten Platz aßen wir unsere Brotzeit, anschließend traten wir den Rückweg an.

Als Schlafplatz suchten wir uns den Parkplatz bei der Guarderia Gray, am Lago Grey. Dort gab es ein Restaurant mit Außentoilletten, die bis spät abends geöffnet waren. Am Weg dorthin mussten wir einmal quer durch den Nationalpark fahren. Auch wenn wir wetterbedingt viel Zeit im Auto verbrachten. Es ist eine so traumhafte Landschaft und auch vom Auto aus jedenfalls bewunderswert. Wir kamen an Straußenherden und unendlich viele Guanacos vorbei – sehr elegant aussehende Lamas. Und weil wir sowieso immer Sorge hatten, dass eines der freilaufenden Tiere auf die Straße läuft, fuhren wir langsam.

Nach einer ziemlich kalten zweiten Nacht im Nationalpark gab es unsere obligatorischen Porridge zum Frühstück. Einmal kurz frisch machen an der Außentoilette und wir machten uns auf zur zweiten Wanderung. Wobei diesmal war es eher ein Spaziergang. Im Lago Gray gibt es eine kleine Insel, die man über eine Sandbank (kann man das so nennen) erreicht. Den Blick mehr auf den schwarzen Sandboden gerichtet als auf den Gletscher kämpften wir uns gegen den Wind zur Insel. Die kalte Wind der vom Gletscher herwehte, machte die Luft eisig und lies die Wellen peitschen. Die Insel kann man in gut 30 Minuten umrunden. Man geht ein bisschen bergauf uns wenn man Glück hat sieht man einige Eisberge vorbeitreiben.
Wir hatten mitbekommen, dass man auch Kajaktouren auf dem See zumn Gletscher machen konnte, aber an diesem Tag war es definitv zu stürmisch dafür.

Am frühen Nachmittag ging es dann wieder zurück nach Puerto Natales. Die Fahrt dauerte ca. 1,5 Stunden und wir mussten den Leihwagen am späten Nachmittag zurückgeben. Wenn man 3 Tage in einem normalen PKW schläft, isst und lebt bedarf es definitv einer kleinen Säuberungsaktion. Am Rückweg zeigte sich des Himmel dann auch wieder von seiner strahelnden blauen Seite und wir konnten nochmal den Blick auf die Landschaft genießen.
Und als wir so durch die bergige Steppe Patagoniens fuhren spielte es plötzich auf einem chilenischen Radiosender das Lied von Falco ‚Vienna Calling‚… und das am anderen Ende der Welt

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