Unsere Überfahrt von Bolivien nach Chile war eine der Spannendsten. Bisher ging bei Landweg eigentlich immer alles recht schnell. Ausreisestempel, Einreisestempel, fertig. Leila, Rob, Jan und ich hatten uns für die Fahrt noch mit Essen eingedeckt: Brote, Avocado, Obst und hart gekochte Eier. Da wir dann doch schneller an die Grenze kamen als erwartet, hatten wir Stress alles aufzuessen, denn einführen durften wir das ja nicht. Auch die Kokablätter mussten wir noch loswerden.
Die Ausreise war wie erwartet, Stempel abholen und fertig. Bei der Einreise nach Chile wurde dann das Gepäck aus dem Laderaum des Busses geholt und in einer Reihe platziert. Eine Beamtin lies ihren Spürhund mehrere Male daran schnüffeln. Nichts Auffälliges. Jeder musste anschließend sein Gepäckstück nehmen und zum Zoll damit. Dort wurde es erneut von Beamten durchsucht.
Kurz waren sich die Beamten unschlüssig ob ich das Packerl Nüsse einführen durfte, liesen mich aber dann doch damit durch.
Wir waren in Chile. Land Nummer 11.

Die günstigste Unterkunft in Calama, unserem Ziel, war tatsächlich das Ibis Budget Hotel. Ein Hotelzimmer mit eigenem Bad und weisser Bettwäsche war mal eine willkommene Abwechslung. Wir hatten zwei Doppelzimmer nebeneinander und das erste Abendessen gab es für jedes Pärchen im Bett.
Die Sadt Calama war nicht wirklich besonders. Sie diente uns lediglich als Ausgangspunkt um doch noch die verpasste Tour durch die Atacama Wüste zu machen. Die ersten Tage genossen wir unsere saubere und gemütliche Unterkunft, die Nachmittage verbrachten wir damit ein günstiges Lokal zu finden um Essen zu gehen.
Am letzten Tag fuhren wir dann mit dem Bus nach San Pedro de Atacama, einem kleinen Oasenort und das Tor zur Wüste. Die kleine Gässchen mit Souvenirläden und hübschen Lokalen waren weit mehr ansprechend als das heruntergekommene Calama. Wir leihten uns Räder aus und fuhren in die berühmte Wüste. Schön gendergerecht erhielten die Männer blaue Helme und wir Frauen rosa.
Bei knapp 30 Grad radelten wir in die Atacamawüste. Die Wüste ist fast 50mal trockener als das Death Valley in Amerika.
Hab ich schon mal erwähnt, wie sehr ich Radfahren bei Hitze und Staub mag? Nein? Komisch…

Der erste Teil der Strecke war sehr moderat. Aif gerader Strecke ging es eine beeindruckende, trockende Landschaft im Hintergrund ragen Vulkane dem strahlend blauen Himmel entgegegen.
Irgendwann ging es bergauf, und für mich ähnelte es bei der Hitze einem extrem Sport (ja hier an dieser Stelle übertreibe ich ein bisschen). So unglaublich sureal diese Landschaft sich anfühlte, so real waren meine gemurmelten Fluchereien.
Nach gut eineinhalb Stunden mussten wir wieder umdrehen. Wir hatten für den Abend unseren Flug nach Santiago de Chile und mussten rechtzeitig zum Flughafen.

Ein Albtraum wird wahr
Wir kamen kurz vor Mitternacht in der Hauptstadt Chiles an und nahmen ein Taxi zu unserem Hostel. Irgendwie war die Auswahl an Hostels mit guten Bewertungen in Santiago rar. Weswegen dieses Hostel gute Bewertungen bekommen hatten, stellten wir schon beim Check-in in Frage. Das Bad lädt auch nicht gerade zum langen Verweilen ein, weswegen wir alle ungeduscht zu Bett gingen. Es war schon weit nach Mitternacht und wir wollten nur schlafen. Die vier Betten waren schnell aufgeteilt und wir legten uns hin. Ich war froh meinen Hüttenschlafsack zu haben, denn ob die bunt gemusterte Bettwäsche regelmäßig gewaschen wird, stellte ich in Frage.
Ich hatte Schwierigkeiten einzuschlafen, weil mich immer wieder was zwickte. Mal am Hals, mal an der Hand. Ich versuchte das zu ignorieren, war wahrscheinlich nur meine ungeduschte und verschwitzte Haut. Reste des Staubs aus der Wüste…
Irgendwann drehte ich die Taschenlampe meines Handys auf und starrte entsetzt auf mein Kopfkissen. BETTWANZEN! Überall. Das ganze Bett kroch nur so vor Wanzen. Ich sprang auf und schrie nur noch: BETTWANZEN!
Leila drehte das Licht auf. Ich stand im Bett und – wie mir nachher erzählt wurde – mein weißes T-Shirt war übersät mit Wanzen.

Raus! Einfach nur raus! Leila und Rob die im Stockbett schliefen, schmissen sofort ihre Rucksäcke aus dem Zimmer. Ich traute mich kaum zu bewegen. Aber auch Jan und ich schafften unsere Sachen aus dem Zimmer. Da das Zimmer für vier Betten aber sehr eng, lagen unsere Rucksäcke direkt an den Betten dran. Leila holte den Host, der um halb 2 Uhr nachts mit ein paar Hostelgästen unten Bier trank. Er wirkte mit der Situation etwas überfordert. Irgendwann hatte er sich gefangen und brachte uns Müllsäcke. Wir zogen uns am Gang bis auf die Unterwäsche aus und schmissen unsere Sachen in die Müllsäcke. Wir suchten alles gründlich ab, aber bei dem Licht und den kleinen Wanzen konnte man schlecht alle erkennen.
Wir schnappten unsere Sachen und suchten uns um 2 Uhr morgens eine Alternative Unterkunft. In einem Hotel ums Eck konnten wir schließlich einchecken. Wir versuchten so normal wie möglich zu wirken, da wir Angst hatten, wenn die Rezeptionistin Verdacht schöpft was unser Grund für das nächtliche Auftauchen war, würde sie uns kein Zimmer geben. Unsere Rucksäcke positionierten wir weit weg vom Bett. Wir hatten Angst, dass die Wanzen mitgereist waren und wir wollten nicht riskieren, dass sie sich im Hotel in den Betten einnisteten.
Ich sprang noch unter die Dusche, aber an wirklich erholsamen Schlaf war nicht mehr zu denken.

Am nächsten Morgen, alle völlig übermüdet suchten wir uns ein Airbnb mit Waschmaschine. Die nächsten drei Tage verbrachten wir damit all unsere Sachen zu waschen, im Trockner zu erhitzen und im Tiefkühlfach einzufrieren. Unsere Rucksäcke wuschen wir in der Badewanne aus. Da war auch notwendig, denn Jan und ich hatten definitiv Wanzen mit unseren Rucksäcken mitgenommen.
Zwischendurch statteten wir dem Hostel Besuche ab, denn wir wollten sowohl die Nacht im teureren Hotel, die Reinigungskosten für unsere Sachen und meine Medikation erstattet haben.

Es stellte sich heraus, dass das Nest der Bettwanzen im Vorhang war, dieser war direkt bei meinem Kopfteil des Bettes. Ich war an Armen, Händen und Hals völlig zerbissen. Es juckte so heftig, dass ich die erste Nacht im Airbnb kein Auge zumachte. Pure Aloe Vera und in Wasser getränkte gefrorene Schals halfen den Juckreiz irgendwann einzudämmen.
Rob und Leila hatten Glück und blieben weitesgehend verschont. Bei Jan zeigten sich ein paar Bisse ein paar Tage später (Bettwanzenbisse können ein bis zwei Wochen dauern bis sie sich bemerkbar machen). Um aber auch etwas Positives an der Sache zu finden, wir nutzen dadurch gezwungener Maßen die Gelegenheit um alle Sachen durchzuwaschen. Jedes einzelne Teil, sogar unsere Rucksäcke wurde gewaschen oder eingefroren.

Erfahrungstipp: Bettwanzen und deren Eier sterben bei einer Temperatur von ca. +45 Grad Celsius oder -18 Grad Celsius. Wir haben alles in der Waschmaschine heiss durchgewaschen was ging. Den Rest packten wir für mind. 2 Tage entweder ins Gefrierfach oder auf den Balkon in die Sonne.
Ausserdem untersuchen wir von diesem Moment an, jedes Zimmer und jedes Bett gründlich vorher ab ob man irgendwelche spuren erkennt. Meist sind kleine Blutflecke auf der Bettwäsche ein Indiz dafür, denn wenn sich eine Person in der Nacht umdreht und die Wanze dadurch zwerquetscht wird, gibt es einen Blutfleck. Leider ist keine Unterkunft vor Bettwanzen geschützt, egal wieviele Sterne sie aufweist. In Hostels, wo mehrere Personen sich nur kurzfristig Zimmer teilen, ist aber natürlich die Wahrscheinlichkeit höher.
Meine Bitte: MELDET ES DEM HOST! Wenn Bettwanzen gemeldet werden, und die Unterkunft wert darauf legt, kann schnell etwas dagegen gemacht werden. Werden Bettwanzen aber nicht gemeldet, dann entsteht ein Nest. Und die Folge habt ihr ja oben gelesen.

Eigentlich wollten wir die letzten gemeinsamen Tage anders verbringen. Ein Ausflug nach Valparaiso war geplant, gut Essen gehen und die gemeinsame Zeit noch genießen. Naja, irgendwie stand unsere Gang unter keinem guten Stern. Trotzdem versuchten wir das Beste daraus zu machen, kochten gemeinsam oder gingen Essen. Jan und Rob legten noch eine Beauty-Pause ein und besuchten einen chilenischen Barbershop.
Nach drei Tagen traten Leila und Rob ihren Weiterflug nach Australien, zu Robs Familie, an. Jan und ich übersiedelten in ein kleineres Airbnb. Dort blieben wir dann noch gut eine Woche. Zum einen warteten wir auf die Rückzahlung des Hostels und zum Anderen wollten wir warten bis meine Bisse abgeheilt waren. Wir machten aber das Beste draus und genossen wieder mal ein paar Tage an einem Ort zu verweilen. Nachdem wir endlich das Geld vom Hostel zurückbekommen hatten, buchten wir unseren Flug in den Süden Chiles.

Endlich ging es in ein lang ersehntes Reiseziel von mir, nach Patagonien.

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