—see english below—

Welche Farbe hat Ihre Unterwäsche?
Nach Island ging es für uns weiter in die kanadische Wildniss … nun ja, zunächst in den „Großstadtdschungel“ von Toronto. Jedoch mussten wir bereits noch vor dem Abflug in Island das kanadische Einreiseprozedere durchlaufen. Das ETA hatten wir schon online von Europa aus beantragt und so weit auch kein Problem. Wenn man jedoch als offensichtlicher Backpacker unterwegs ist und nur einen Hinflug, ohne Rückflug gebucht hat, werden die kanadischen Behörden hellhörig. Am Gate stand eine lange Schlange bereit zum Boarding. Kathrin, getrieben von ihrer Ungeduld, beschloss einfach daran vorbei zu gehen und sich weiter vorne reinzuschummeln. Das verhalf uns auch tatsächlich schneller voran zu kommen. Bescherte uns aber auch gleichzeitig eine ganz besondere Aufmerksamkeit des Kontrollbeamten. Wir hatten etwas übersehen. Die wartende Schlange durchlief bereits eine Kontrolle und die Passagiere erhielten irgendeine Markierung in den Pass – hatten wir natürlich durch die Abkürzung nicht bekommen. Er zog uns zur Seite und der Frage- und Antwortmarathon ging los. Von dem Grund der Einreise, über unsere finanzielle Situation wollte er alles wissen. Grad, dass er nicht noch nach der Farbe unserer Unterwäsche gefragt hatte. Erst bei dem Schlagwort „Weltreise“, lenkte er ein und ließ uns das Flugzeug besteigen.

Ab nach Kanada – Ankunft in Toronto
Am 24. September sind wir am Flughafen Toronto gelandet. Die Befragung der Beamten beim Durchschreiten der Grenzkontrolle war schon um einiges stressfreier für uns. Vielleicht aber auch deswegen, weil Kathrin und ich nach dem intesiven Crashkurs bei der Abreise, schon sehr eingespielt waren, was das Beantworten der Fragen anging. Noch schnell die klassischen Zollfotos von uns gemacht und nach wenigen Minuten schritten wir mit selbstbewussten Haupt Richtung Ausgang. Wir hatten uns zuvor ein AirBnB in Flughafennähe gebucht, es stellte sich aber heraus, dass es mit den öffentlichen Bussen ca. 1 Stunde gebraucht hätte. Also entschieden wir uns für ein Taxi, auch weil es schon spätabends war und es damit nur 20 Minuten gedauert hat. Auf einmal in eine Großstadt mit diesem Verkehr, Straßen, Lärm etc. einzutauchen war -auch wenn nur von der Rücksitzbank des Taxis aus betrachtet- ziemlich überwältigend für uns.

Trotz guter Rezensionen war unser AirBnB gelinde gesagt ein kleiner Alptraum. Das Gemeinschaftsbad war vom Ekelfaktor her das Schlimmste, was uns bisher widerfahren ist. Auch sonst wollte man lieber nichts in dem AirBnB anfassen. Und wie sich noch später heraus stellen sollte, lag das Haus direkt in der Einflugschneise des Flughafens. Die im Landeanflug befindlichen Flugzeuge konnte man nicht nur gut von unserem Fenster aus beobachten, sondern noch um einiges besser hören…
Außerdem war für uns das Leitungswasser eine echte Umstellung. Wir waren es von der Heimat und zuvor von Island & Faröer gewöhnt, jederzeit und überall frisches Wasser aus der Leitung trinken zu können. In Kanada ist das Leitungswasser auch unbedenklich trinkbar, aber der starke Chlorgeruch und -geschmack hielt uns definitiv davon ab und vielleicht auch deshalb, weil wir in diesem AirBnB waren.

Die ersten Eindrücke von Kanada waren für uns daher ein echter (Kultur-) Schock insbesondere nach den Erfahrungen in Island. Es ist echt erstaunlich, welchen Einfluss die Unterkunft darauf hat, ob man eine Stadt als positiv oder negativ empfindet. Nun ja… wir hatten eh nur 2 Nächte in Toronto eingeplant, anschließend sollte es ja nach Vancouver weiter gehen.

Am nächsten Tag stand ein Tagesausflug zu den Niagarafällen auf unserem Plan. Zunächst mit dem Linienbus inklusive 2x Umsteigen in ca. 1 Stunde zum Busbahnhof in die Innenstadt und dann mit dem Greyhound Bus zu den Niagarafällen (nochmals ca. 1,5 bis 2 Stunden). Die Innenstadt wirkte -trotz regem Großstadttrubel- schon deutlich freundlicher auf uns. Die Busfahrt dorthin im öffentlichen Verkehr dagegen offenbarte uns, dass unser AirBnB wohl nicht in einer touristischen Gegend liegt. Zumindest kamen wir uns im Bus so vor, dass wir auffallen und unser Handy doch lieber nicht zu häufig aus der Hosentasche heraus holen sollten.

Bunte Ponchos und viel Wasser
Die Niagarafälle sind ein echt sehenswertes Ziel. Selbstverständlich wegen den Wasserfällen an sich. Die schieren Wassermassen, die dort herunter knallen sowie die Gischt sind immens und toppten dahingehend nochmals, was wir bisher in Island und Faröer bestaunen durften. Andererseits war es für uns auch interessant, den ganzen Touristentrubel ringsherum zu erleben. Die Niagarafälle liegen genau an der Grenze zwischen Kanada und USA. Man kann die Wasserfälle von beiden Seiten betrachten und beide Seiten geben ihr „Bestes“, um den Touristen möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. In unmittelbarer Umgebung findet man dort Hotels, Casinos, Restaurants, einen Flying Fox (eine Seilbahn, an der man auf den Bauch liegend im Tragegurt heruntersausen kann), die Ausflugsschiffe und und und…

Apropos Ausflugsschiffe, diese fahren, jeweils von der U.S.-amerikanischen und von der kanadischen Seite, ganz dicht an die Wasserfälle heran, so dass sie sich inmitten der Gischt befinden. Die Passagiere sind auf Deck, also werden sie vor Beginn der Fahrt mit Einweg-Regenponchos ausgestattet. Die farbenfrohen Ponchos landen dann alle nach Ende der Tour in riesigen Mülltonnen. Wir haben uns ungläubig an den Kopf gegriffen, wie man nur so viel Müll produzieren kann.

Als kleine Randnotiz: Was uns dort wirklich positiv aufgefallen ist, war die Freundlichkeit und Kommunikation der Busfahrer in den öffentlichen Bussen. Jede einzelne Haltestelle wurde angesagt und es wurde beschrieben, was man dort in der Nähe machen kann. Für die unsicheren Fahrgäste wurde ebenfalls angesagt, an welcher Haltestelle man denn nun aussteigen muss, um die eigentlichen Wasserfälle zu sehen.

Zusammenfassend lässt sich zu den Niagarafällen folgendes sagen: müsste Kathrin zwischen den isländischen Wasserfällen und den Niagarafällen wählen, würde sie sich für die isländischen entscheiden. Jan sieht es ähnlich. Die Niagarafälle werden touristisch ausgeschlachtet, haben aber dennoch ihren Reiz aufgrund ihrer Größe und Wassermassen. Sie haben definitiv ihre Berechtigung auf der Liste der Reiseziele zu stehen.

Pizza mit extra Topping
Als wir am Abend zurück kamen, holten wir uns in einem Pizzaimbiss in der Nähe unseres AirBnB eine Pizza. Während wir warteten, bis unsere Pizzen fertig wurden, ist uns erst recht aufgefallen, das wir als Touristen in der falschen Gegend untergebracht waren. Die Gestalten, die sich in und vor der Pizzabude aufhielten, kannten wir eher aus Hollywood Gangsterfilmen (Kathrin bildete sich auch ein, dass vor der Bude das ein oder andere Rauschmittel den Besitzer wechselte). Aber alles ging gut und vielleicht waren die Leute gar nicht so schlimm, wie wir es in dem Augenblick empfanden.

Am nächsten Tag ging unser Flieger nach Vancouver erst abends 19:55 Uhr. Zur Wahl stand entweder, nach dem Auschecken aus unserem geliebten AirBnB die Innenstadt von Toronto zu erkunden oder direkt zum Flughafen zu fahren. Wir entschieden uns für den Flughafen, weil wir beide nicht wirklich Lust auf Städtetrip hatten und nicht zuletzt auch deswegen, weil es bedeutet hätte, mit unserem kompletten Gepäck in der Innenstadt umher zu ziehen. Die Möglichkeit von Schließfächern bestand zwar (z.B. am Busbahnhof), doch wir wussten nicht, ob unsere riesigen Backpacks dort überhaupt herein gepasst hätten.

Eine Busfahrt, die ist lustig
Also ab zum Flughafen – wieder mit dem öffentlichen Bus. Leider haben wir auf den Weg dorthin wohl nicht die korrekte Linie erwischt, die zwar zum Flughafen fuhr, jedoch an unserem Terminal hielt. Das ist uns erst 2-3 Haltestellen zu spät aufgefallen. Also schnell beim nächsten Stopp raus gesprungen und mit Sack & Pack ca. 2 Kilometer zurück zum Terminalgebäude. Am Flughafen haben wir uns zuerst mit einem Nachmittagssnack die Zeit vertrieben und später mit Laptop und Handy in einer Sitzecke gemütlich gemacht.

Trotz der Panne mit der Fahrt zum Flughafen ist uns das Fahren im Linienbus in Kanada bisher sehr einfach vorgekommen. Diesen Eindruck hatten wir sowohl in Toronto, als auch später dann in Vancouver. Außerdem ist das Personal sehr freundlich und hilfsbereit. Die Busse in Toronto fahren hauptsächlich nur eine Straße entlang (die Ewigkeiten geradeaus geht) und man muss sich nur merken, an welcher Querstraße man aussteigen möchte. Jede einzelne Haltestelle wird automatisiert angesagt und angezeigt. Wenn man sich zuvor online die Buslinien und Haltestellen raussucht, dann kann eigentlich 😉 fast nichts schief gehen. Nur Kleingeld sollte man passend dabei haben, denn der Busfahrer kann nicht wechseln.

Unsere Ausgaben
Der größte Posten war der Flug von Reykjavik nach Toronto mit 422 Euro für 2 Personen (diesen hatten wir aber schon lange lange zuvor von Deutschland aus gebucht). Das Busticket mit dem Greyhound Bus von Toronto nach Niagara und zurück kostete uns umgerechnet ca. 51 Euro. Das AirBnB war vergleichsweise günstig mit ca. 48 Euro für 2 Nächte. Teuer kam uns das Taxi am ersten Abend vom Flughafen zur Unterkunft vor, der Fahrer knöpfte uns eine extra Airport Gebühr ab (und wir wissen immer noch nicht, ob er uns damit über den Tisch zog oder nicht). Es kostete inkl. Trinkgeld knapp 53 kanadische Dollar (ca. 35 Euro). Außerdem waren die Snacks am Flughafen vor dem Abflug nach Vancouver auch nicht gerade günstig. Am sonstigen Essen haben wir wie eigentlich immer gespart. Alles in allem haben wir für 2 Tage in Toronto inkl. Hinflug ca. 627 Euro ausgegeben.

Unser Fazit und unsere Empfehlungen:
Für uns war Toronto ein echter Kulturschock. Der Straßenverkehr, der Trubel, das subjektiv empfundene gefährliche Stadtviertel, unsere Unterkunft… das war für die ersten 2 Tage in Kanada etwas zu viel für unseren Geschmack. Wir empfehlen euch, eine Unterkunft bzw. AirBnB in Innenstadtnähe zu nehmen und von dort aus die Stadt zu erkunden. Vom Flughafen gehen auch Shuttlebusse direkt in die Innenstadt. Und lasst euch nicht locken mit Unterkünften in Flughafennähe 😉

Ein paar Bilder von Toronto und den Niagarafällen findet ihr in unserer Gallerie.

—english version—

What colour has your underwear?
After Iceland we went on to the Canadian wilderness …or let’s say into the „city jungle“ of Toronto. But before we could enter the plane in Iceland, we had to run through the canadian immigration procedure. We already made the ETA approval online, so everything was fine. But if you are travelling as a backpacker only booking a one-way-ticket, the Canadian authorities pay a bit more attention to you. A long line of passengers waited at the gate for boarding. Kathrin, chased by her impatience, passed the line and pushed herself forward. It helped us to get fast forward, but brought us a special attention of the officer. The passengers in the line were passing the first control while waiting, and got a note inside the passport. We hadn’t cause of the shortcut. He pulled us aside and started the interview marathon. From the reason for immigration up to our financial situation, he wanted to know everything. Almost that he asked us for the color of our underwear. At least as we used the word „world trip“ he seemed satisfied and let us enter the plane.

Off to Canada – Arrival in Toronto
On September 24th we arrived at the Toronto airport. The interview at the border control was less stressfull. Maybe because of the intense crash course we run through six hours before. We then took the usual customs photos and minutes later we walked head up high to the exit. We booked an AirBnB in advance which was located near the airport, but we found out that it would took us approx. 1 hour by bus to get there. So we decided to crab a taxi, considering it took 20 minutes to our accommodation and it was already late in the evening. To arrive suddenly in a big city with this kind of traffic, streets, noise and so on was somehow overwhelming for us – though we just watched it from the backseat of our cab.

Cheap AirBnB’s are not the best choice
Apart from good evaluations, our AirBnB was a little nightmare. The shared bathroom was worst from what we’ve seen so far. And besides that we rather would not touch anything at this accommodation. On top we found out that the house was located in the direct approach path of the airport. We could not only see the arriving airplanes but rather better hear them…
Furthermore the tap water was a big change for us. We are used to drink fresh tap water every time and everywhere from home and Iceland. Of course Canada’s tap water is harmless and drinkable, but the strong smell and taste of chlorine prevent us of doing it. But maybe it was a bit influenced by the airBnB, too.

Our first impression of Canada was – let’s call it a „cultural shock“ – especially right after our Iceland experiences. It’s kind of astonishing how the accommodation influences your positive or negative perception of a city. But yay… we were happy that we planned to stay in Toronto only for two days until we head over to Vancouver.

Day trip to the Niagara Falls
The next day we made a day trip to the famous Niagara Falls. After one hour by public transport and two bus changes we arrived at the downtown bus station. Additional one to two hours by a greyhound bus got us to the Niagara Falls. Downtown Toronto seemed much more friendlier, despite the big city life. The bus drive offered us, that our airBnB definitely wasn’t located in the best touristic area. At least we had the feeling that we felt as strangers in the bus and should keep our mobiles inside the pocket.

The Niagara Falls are worth to see it. Of course because of the waterfalls themselves. The enormous mass of water falling down and the spindrift are stunning and beat out what we had seen already in Iceland and Faroe Islands. The whole touristic hustle around was kind of interesting, too. The Falls built the border between Canada and USA, and it’s possible to visit them from both sides. Both sides do their best in pulling out money of the tourist’s pocket. Hotels, casinos, restaurants, a flying fox, boat tours are some of the attractions you can visit and do there.

By the way let’s talk about the boat tours. Both sides will bring you as near as possible to the waterfalls by boat, so you can feel the spindrift in your face. All passengers stand on the deck covered by colorful disposable rain ponchos, which end up in the waste bin right after the tour. We couldn’t believe how much waste they produced in just a short time.

Side note: a real positive thing we experienced was the kindness in communication of the several bus drivers. Every single stop was announced and the nearest tourist attraction was described, too. They even told insecure passengers which was the best stop to exit for the waterfalls.

Our conclusion about the Niagara Falls: If Kathrin has to choose between the Icelandic waterfalls and the Niagara Falls, she would definitely choose the Icelandic ones. Jans opinion is quite similar. The Niagara Falls are touristic cannibalized, but their dimension and water mass provide attraction. They have definitely an authorization to stand on someone’s bucket list.

Hungry for Pizza and some weed?
When we arrived back home in the evening we wanted to grab a pizza near the airbnb. While we waited to get our fresh baked pizza we recognized even more, in which kind of neighborhood we stayed. The people inside the pizza stand where more than creepy and only known from blockbuster Hollywood gangster movies. (Kathrin imagined that some drugs changed their owner outside the pizza stand). But everything went well, we got our fresh baked pizzas and maybe the people weren’t even that bad we felt that moment.

Back to the airport
Our flight to Vancouver was the next evening 7.55pm. After the check out of our beloved airbnb, we had to made the decision either exploring downtown Toronto or directly going to the international airport Toronto. We chose the airport, because our passion for a city trip was limited and at least for the simple reason that it would have involved to travel with our big backpacks and our daypacks through the whole city. We knew the possibility of lockers, but we weren’t sure if our big backpacks even would fit in it.
So back to the airport, by public transport again. Unfortunately we changed up the bus lines, we took one with direction to the airport but without stopping at our terminal. We recognized it two or three stops too late. We jumped out of the bus and hiked two kilometers back to the airport terminal with our complete luggage. We killed the time with an expensive lunch and spent the afternoon inside the chill area with laptop and mobile phone.

Despite the little troubles catching the wrong bus, using the public transport in Canada was quite easy for us. Not only in Toronto, it worked well for us in Vancouver, too. Aside from that the bus drivers are very kind and helpful. The buses in Toronto following only one straight endless road, you just need to keep in mind the crossing road, your exit station. Each stop is announced and if you check it first online, almost nothing could go wrong ;-). You just need to have the right amount of coins, the bus drivers do not change.

Our expenses
The biggest part were the two flight tickets from Reykjavik to Toronto for 422€ (we booked the flight long time ago from Germany). The ticket for the Greyhound bus to the Niagara Falls was about 51€. In comparison the airbnb was quite cheap with 48€ for two nights in total. Now you know why ;). The taxi drive from the airport to the airbnb at the first evening was expensive, because of an airport fee we had to pay (and we are still not sure if he pulled us over the barrel) We payed incl. tip 35€. Except for the snack at the airport we saved money on food. Our expenses for Toronto in total including the flights were 627€ for two days and two persons.

Our conclusion and recommendation:
Toronto was a big cultural shock for us. The traffic, the crowded places, our accommodation and the subjectively perceived dangerous neighboorhood… were a little too much for us. We highly recommend to choose an airbnb, hostel or hotel near downtown to explore the city. Toronto offers airport shuttles to the inner city. And don’t get allured by accommodations near the airport 😉

You will find some pictures from Toronto and the Niagara Falls in our gallery.

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